Gerade vor mir liegt ein Brief von Radio Gutenberg an einen Hörbuchverlag. Verwiesen wird in der Fußzeile auf www.radio-gutenberg.de allerdings sind dort noch die Inhalte eines anderen Sernders zu sehen. In dem Schreiben wird ein Hörbuchradiosender im Großraum Ingostadt angekündigt, der im Digital Radio L-Band und vie Kabel zu empfangen sein wird. Die Anzahl der verkabelten Haushalte wird mit 60.000 angegeben und daraus werden ca. 150.000 potentielle Hörer. Meine Schätzung es gibt insgesammt max 1.500 Hörer pro Woche also vielleicht immer ein paar Dutzend gleichzeitig. Das ist allerdings gerade nicht Kern der Sache.
Zitiert wird ein Gesamtvertrag zwischen APR, VG Wort (Verwertungsgesellschaft Wort) und GVL (GVL ist die urheberrechtliche Vertretung der ausübenden Künstler und der Tonträgerhersteller) vom 1. Juli 2005 über “kleine Hörbuchrechte”. Ich muss gestehen, daß ich hier eine Wissenslücke habe. Dort soll scheinbar festgelegt worden sein, daß Radiosender (Lokalsender und Regionalsender) bei Sendungen von nicht mehr als 15 Minuten von Hörbücher 6,- Euro pro Minute abgelten. Ich frage mich wem dieses Geld abgegolten wird? Von den oben genannten Gesellschaften bekommen Hörbuchverlage nur etwas von der VG Wort und von denen auch nur einmalig. Habe ich bzgl. der GVL etwas verpasst? Was die APR sein soll muss ich gestehen, weiß ich auch nicht…
Der Rest ist für die dann ein klares und einfaches Rechenspiel. Wenn man jede Stunde 25minütige Auszüge aus 2 Hörbüchern senden will kommt das im Monat auf über 200.000,- Euro kosten, was man auf keinem Fall mit so einem Radiosender reinbekommen kann. Alles was die nun wollen ist mit den Hörbuchverlage in den Dialog kommen aber ich frage mich wofür… Sie sagen, sie wollen “die großen Hörbuchrechte” eingeräumt haben. Ich werde das Gefühl nicht los, dass das Konzept ist einfach nicht weit genug gedacht. Für so einen Kleinkram hat man doch keine Lust Extrawürste zu braten. Das ist wohl das Problem bei allen bisherigen Ansätzen für Hörbuch-Radio-Sender über normale Radiotechnik, d.h. nicht Internet-Radios.
Ich fürchte fast noch “Schlimmeres”. Das läuft vielleicht auf einer dieser graniosen Vorschläge so mancher privater Hörfunksender hinaus nach dem Motto “Gebt und eure Hörbücher, so daß wir die kostenlos senden und dadurch verkauft ihr dann mehr Hörbücher”. Sorry aber das halte ich simpelgesagt für Stuss. Es gibt einen großen Unterschied zwischen Erwachsenenhörbüchern und Kinderhörbüchern: Erwachene hören Hörbücher nur ein oder wenige Male. Kinder sehr Häufig. Ebenfalls gibt es diesen Unterschied zwischen Worttonträgern und Musiktonträgern, liebe Radiomacher: Hörbücher hört man ein oder wenige Male, Musik viel häufiger. Tja. Durch das Abspielen eines Hörbuchs im Radio könnte es direkt zu Umsatzeinbußen für Hörbuchverlage kommen: Potentiele Käufer hören das Hörbuch im Radio und da sie es dann kennen, brauchen sie es nicht mehr zu kaufen… Das sollte erst mal klarer Konsens und Basis für Verhandlungen sein, bevor man sich an den Tisch setzt…