Rene stellt mir ab und zu Fragen per eMail, wenn er gerade wieder an einem interessanten Artikel für den Buchmarkt arbeitet. Hier meine Antworten zu seinen Fragen von Mitte Mai.
1. Was ist deine Einschätzung: Lässt sich der Buchhandel beim Hörbuch immer mehr sozusagen die Butter vom Brot nehmen? Wenn ja, warum? Was sind die größten Mankos?
Ich glaube, dass der Buchhandel prozentual immer weniger des Hörbuchhandels haben wird. Meiner Einschätzung nach liegt das daran, dass es dem Buchhandel dank Buchpreisbindung eigentlich noch recht gut geht. Dadurch sind Buchhändlern einfach nicht “aggressiv” genug. Online-Buchhändler sind da sicher eine Ausnahme. Andere Vertriebsformen stehen viel mehr mit dem Rücken an der Wand oder sind viel “hungriger”. Aber die Verlage tun auch ihres dazu, dass die Buchhändler gar nicht erst aus ihrem Dornröschenschalf aufwachen. Warum sollte man bei Hörbüchern immer noch mit Rabatten die Preise festsetzen. Das ist bei Buchpreisbindung vielleicht praktisch aber eigentlich ist bei Hörbüchern alle frei verhandelbar. Die Verlage haben beim Absatzweg Buchhandel ja auch die besten Margen, wenn nicht zu viele Vertriebs- / Distributionsdienstleister dazwischen geschaltet sind.
2. Wie können die Buchhändler gegen diese Entwicklung ankämpfen?
Aktionen machen mit den Hörbüchern. Einfallsreich sein. Lust auf mehr entwickeln. Einfach mal in den lokalen Lebensmittelhandel oder Elektronikfachhandel gehen und sich inspirieren lassen.
3. Sollten Buchhändler auch Hörbuch-Downloads verkaufen?
Ich persönlich finde die Idee der MP3-Zapfsäule und ähnlicher Konzepte weniger Sinnreich. Dann sollten Buchhändler auch eBooks verkaufen. Halte ich auch für wenig sinnreich. Insbesondere frage ich mich, wie man derzeit guten Gewissens für ein bestimmtes Download-Portal werben kann. Von dem knappen Dutzend, die es jetzt gibt, wird es in 3 Jahren sicher die meisten nicht mehr geben und dann hat der Kunde, den man zu dem “falschen” System gelockt hat einen Groll. Außerdem müssten Download-Portale den Buchhändlern eine Lifetime Pay per Sale Vergütung bieten oder vergleichbares bieten um fair zu sein und das will garantiert noch keines der Download-Portale.
4. Der Kopierschutz-Glaubenskrieg zwischen MP3s mit Wasserzeichen und DRM mit User-Einschränkungen: Welches System ist besser? (für die Verlage, für die Kunden)
Für Verlage ist DRM besser, da es das unendlich häufige Kopieren der Hörbuch-Audiodatein verhindert. Es schränkt dadurch aber den Kunden ein. Für Kunden ist MP3 mit Wasserzeichen gut, da es ihn in keiner Weise einschränkt. Für den Verlag ist MP3 mit Wasserzeichen weniger schön, denn es kann beliebig oft kopiert werden und der Schaden kann, wenn überhaupt, nur im Nachhinein festgestellt werden. Selbst wenn der “Schuldige” dann gefunden wird ist die rechtliche Handhabe dann nicht klar. Aus Verlagsperspektive ist DRM “Vorsorge” und MP3 mit Wasserzeichen “Nachher vielleicht Sorgen haben”.
5. Wie bewertest du “fertig konfektionierte” Hörbuch-Pakete von Barsortimenten für den Buchhandel?
Hierzu weiß ich nicht genug um mich zu äußern.
6. Wie groß siehst du die Chance, dass Hörbuch-Radiosender, die man zusätzlich bezahlen muss, Hörer gewinnen können?
Angesichts des massiven Aufkommens von Podcasting, was bisher in Deutschland und auch in den USA noch mehrheitlich kostenfrei ist würde ich persönlich keine Wetten auf einen Zahl-Hörbuch-Radio-Sender abschließen. Wenn UMTS irgendwann funktioniert könnte ich mir auf dieser technologischen Basis einen Bezahl-Hörbuch-Radio-Sender sehr gut vorstellen. Das wäre sehr convenient! Aber angesichts der Menge der Hörbücher die Radiropa gerade rausbringt mache ich mir keine Sorgen um die. Wenn sie ihre Hörbücher auf den üblichen Vertriebswegen ordentlich vermarktet kriegen wird das Engagement sicherlich kein Verlustgeschäft.
7. Die Hörbuch-Messen in Frankfurt und Leipzig sind etabliert. Sollte es weitere Plattformen fürs Hörbuch geben? Wenn ja, welche?
Meiner Meinung nach ist kein Platz für mehr sinnreiche und große Veranstaltungen. Die halbjährlichen Novitätenzyklen der Hörbuchbranchen sind sehr tief verankert. Was Fachveranstaltungen angeht, wird es auf absehbare Zeit nichts außer Frankfurt und Leipzig geben, was es sich lohnt zu besuchen. Was ich mir als sinnreich vorstellen könnte, wäre etwas, was ausschließlich auf Konsumenten ausgerichtet ist. Daraus könnte man vielleicht sogar eine Tour machen. Also die selbe Konsumentenmesse in jeder Stadt. Und dort dann einfach “noch unbeflekten Bürgern” das Hörbuch als Medium näher bringen. Könnte mir gut vorstellen, dass so etwas z.B. vom AK Hörbuch organisiert wird.