Zu Charlotte Link, Am Ende des Schweigens, gelesen von Mariele Millowitsch

Charlotte Link, Am Ende des Schweigens, gelesen von Mariele MillowitschCharlotte Link, Am Ende des Schweigens, gelesen von Mariele Millowitsch

Viele werden das vielleicht schon wissen: Charlotte Link hat bereits mit 16 Jahren zu schreiben begonnen, oder richtiger gesagt: ihren ersten Roman veröffentlicht. Und zwar mit beachtlichem Erfolg. Mit Fleiß und ohne großen Medienwirbel um ihre Person hält sie seitdem einen der vorderen Plätze unter den Autoren der deutschen Unterhaltungsliteratur. Ehrlich gesagt beneide ich Menschen, die schon so früh wissen, was sie wollen, und sich ein Leben nach ihren Neigungen und mit einem großen Frei(-heits)raum erschaffen.

Bis jetzt hatte ich von der Autorin noch nichts gelesen. Höchste Zeit also, einen ihrer Romane kennenzulernen. Umso mehr, als dieses Hörbuch von Mariele Millowitsch gesprochen wird, einer Schauspielerin, die ich vor allem wegen ihrer natürlichen Art sehr schätze. Leider ist eine symphatische Schauspielerin, die auf der Leinwand überzeugt, nicht automatisch eine gute Sprecherin – und umgekehrt, wie wir an einigen Künstlern erleben, die mittlerweile Kultstatus als Hörbuch- oder SynchronsprecherIn haben, aber rar in Film und Fernsehen sind. Gleich beim Hören der ersten CD mußte ich deshalb den Symphatiebonus für Mariele Millowitsch einsetzen, um mich nicht ständig an den Störfaktoren aufzuhalten. M.M. spricht einfach zu schnell – oder besser zu hastig –, um das Hören zum Genuß zu machen. Man muß sich oft sehr darauf konzentrieren, den Text genau mitzubekommen, vor allem dann, wenn die Stimme der Sprecherin gegen Ende eines (Ab-)Satzes plötzlich abfällt und so leise wird, daß wohl nur noch Kopfhörer helfen könnten (die ich aber zu Hause nicht tragen will). Auch schleicht sich der Verdacht ein, daß dieser Roman ohne große Vorbereitung einfach eingelesen wurde oder die Lesung unter Zeitdruck durchgepaukt wurde. Z.B. wenn es im Dialog heißt: „murmelte sie“ und Frau Millowitsch im gleichen Tempo und in der gleichen Lautstärke weiterliest. Regie, wo warst Du da? Laut Infos auf der Hülle war für diese Funktion ein Herr Thomas Krüger eingesetzt … Auch wenn ich mir hier wiederhole: Wo bleibt der Anspruch im Unterhaltungsbereich? In das nicht drin in den kalkulierten Produktionskosten?

Charlotte Link entführt uns in die romantische Landschaft von Yorkshire. Drei Ehepaare aus München machen hier seit Jahren gemeinsam mit ihren Kindern Urlaub in einem alten, charmanten, englischen Landhaus. Die Männer verbindet eine alte Freundschaft aus der Schulzeit, die Ehefrauen verstehen sich mehr schlecht als recht und Ricarda, die Teenagertochter von Alexander aus erster Ehe, rebelliert gegen die zweite Frau ihres Vaters. Man könnte es sich also gemütlich einrichten im Stanbury House und in dieser Geschichte. Aber das Schicksal gönnt uns keine Ruhe: Kurz nach der Ankunft aus Deutschland steht Philipp vor der Tür, Engländer, Ende dreißig, ein bißchen ungepflegt und dreist genug, um zu behaupten, daß ihm die Hälfte dieses Landsitzes zustünde, da er ein unehelicher Sproß von Patricias Vater sei, der Besitzerin von Stanbury House.
Es wird turbulent, es wird gefährlich und leider fließt auch Blut. Who’s dunit? Trotzdem kein klassischer Krimi, sondern eher Psycho + Crime.

Aber obwohl die Geschichte spannend und logisch aufgebaut ist, hatte ich mit der Story und den Personen so meine Probleme. Ausgerechnet Philipp, der sich sehr egoistisch - um nicht zu sagen: kalt - gegenüber seiner wunderschönen Freundin verhält, redet Evelin zu, sich nicht länger so mies von Tim, ihrem Ehemann, behandeln zu lassen. Gestört hat mich auch die Eindimensionalität der Hauptfiguren und ihrer Motive. So ist Patricia ist die dominante Zicke, Evelin die unglücklich leidende Dicke und Jessica durch und durch verständnisvoll und vernünftig. Auch die dazugehörigen Ehemänner haben ihr Schubladen-Label. Echte Charaktere werden nicht entwickelt. (Leider kann ich hier keine Beispiele bringen, ohne zuviel von der Geschichte zu verraten.)

Fazit: Solide Story mit Schwächen, spannend geschrieben und leider nicht so professionell vorgelesen. Das macht eine 3 Sterne.

(Die 6 CDs sind offiziell für 29,50 Euro zu haben, Gesamtdauer 465 Minuten)

RE

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